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Etihad Flugänderung Rückflug um 20 Stunden vorverlegt von 20.30 auf 0.35

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zuerst wurde bei meiner 15 tägigen Flugreise nach Vietnam das Badehotel geändert - hier wurde ich um eine Einwilligung gebeten. Danach teilte man mir mit, dass Etihad das Zwischenziel und auch die Zeiten geändert hat, wobei der Rückflug von 20.30 auf 0.35 vorverlegt wird und beim Zwischenstopp eine um zweineihalb Stunden längere Wartezeit auf den Weiterflug entsteht. Außerdem wäre an dem letzten Tag eine halbtägige geführte Stadtführung durch Saigon auf dem Programm gestanden, die folglich nicht stattfinden kann.

Kann ich von der Reise zurücktreten?

--
Bei der Gebuchten Reise handelt es sich um eine Pauschalreise, welche eine Gesamtreisedauer von 14 Nächten.

Wobei wie bereits geschreiben am letzten Tag von 7.00 Uhr bis 15.00 Uhr ein Ausflug geplant war, danach sollte die Abholung zum Flughafen erfolgen.

Die letzte Nacht kann durch die geänderte Abflugszeit auf 0.30 nicht verbracht werden, da man ja bei einem Fernflug mindestens 2h vor Abflug am Flughafen sein muss.

Sollte ich nicht von der Reise kostenfrei zurücktreten können, welche weiterne Entschädigungsansprüche habe ich?

Eine bitte den Flug wie gebucht durchzuführen wurde vom Reiseveranstalter bereits abgelehnt.
Gefragt 20 Aug in Flugzeitenverschiebung von Anonym
Bearbeitet 20 Aug

1 Antwort

0 Punkte

Hallo,

 

für eine von dir gebuchte Pauschalreise wurde der Rückflug sowie das Hotel verändert. Du müsstest nun mitten in der Nacht aufstehen und zurückfliegen. Dafür geht dir ebenfalls eine gebuchte Stadtführung verloren.

Bei einer Pauschalreise kann man zunächst einmal jederzeit vor Reisebeginn zurücktreten. Dies ergibt sich aus §651 i BGB.

 

(1) Vor Reisebeginn kann der Reisende jederzeit vom Vertrag zurücktreten.

(2) Tritt der Reisende vom Vertrag zurück, so verliert der Reiseveranstalter den Anspruch auf den vereinbarten Reisepreis. Er kann jedoch eine angemessene Entschädigung verlangen. Die Höhe der Entschädigung bestimmt sich nach dem Reisepreis unter Abzug des Wertes der vom Reiseveranstalter ersparten Aufwendungen sowie dessen, was er durch anderweitige Verwendung der Reiseleistungen erwerben kann.

(3) Im Vertrag kann für jede Reiseart unter Berücksichtigung der gewöhnlich ersparten Aufwendungen und des durch anderweitige Verwendung der Reiseleistungen gewöhnlich möglichen Erwerbs ein Vomhundertsatz des Reisepreises als Entschädigung festgesetzt werden.

 

Wie aus dieser Norm ersichtlich ist, ist dieses Rücktrittsrecht jederzeit möglich, allerdings musst du dann damit rechnen, dass dies nicht ganz kostenfrei von statten geht. Zwar verliert der Reiseveranstalter seinen Anspruch auf die Zahlung des vollständigen Reisepreises, gleichzeitig kann dieser allerdings eine Art Schadensersatz verlangen.

 

Anders könnte die Situation aussehen, wenn es sich um eine Kündigung des Reisevertrags nach §651 e BGB handelt.

 

(1) Wird die Reise infolge eines Mangels der in § 651c bezeichneten Art erheblich beeinträchtigt, so kann der Reisende den Vertrag kündigen. Dasselbe gilt, wenn ihm die Reise infolge eines solchen Mangels aus wichtigem, dem Reiseveranstalter erkennbaren Grund nicht zuzumuten ist.

(2) Die Kündigung ist erst zulässig, wenn der Reiseveranstalter eine ihm vom Reisenden bestimmte angemessene Frist hat verstreichen lassen, ohne Abhilfe zu leisten. Der Bestimmung einer Frist bedarf es nicht, wenn die Abhilfe unmöglich ist oder vom Reiseveranstalter verweigert wird oder wenn die sofortige Kündigung des Vertrags durch ein besonderes Interesse des Reisenden gerechtfertigt wird.

(3) Wird der Vertrag gekündigt, so verliert der Reiseveranstalter den Anspruch auf den vereinbarten Reisepreis. Er kann jedoch für die bereits erbrachten oder zur Beendigung der Reise noch zu erbringenden Reiseleistungen eine nach § 638 Abs. 3 zu bemessende Entschädigung verlangen. Dies gilt nicht, soweit diese Leistungen infolge der Aufhebung des Vertrags für den Reisenden kein Interesse haben.

(4) Der Reiseveranstalter ist verpflichtet, die infolge der Aufhebung des Vertrags notwendigen Maßnahmen zu treffen, insbesondere, falls der Vertrag die Rückbeförderung umfasste, den Reisenden zurückzubefördern. Die Mehrkosten fallen dem Reiseveranstalter zur Last.

 

Dazu muss allerdings ein Reisemangel vorliegen. Es ist zu unterscheiden, ob lediglich eine unerhebliche Beeinträchtigung vorliegt oder ein doch erheblicher Mangel vorliegt.

Hier eine kurze Auflistung von Beispielen, die von der Rechtsprechung als nicht mehr hinnehmbar beurteilt wurden:

 

-       Verzögerung der Rückkehr um mehr als 4 h, so das LG Frankfurt a.M., 07.01.91, Az.: 2/24 S 299/90

-       „erhebliche Verspätung“ beim Charterflug, so das AG Frankfurt a.M.

-       Vorverlegung des Fluges, wenn Nachtruhe gestört wird und letzter Reisetag spürbar betroffen ist, so das AG Hamburg-Altona, 12.07.00, Az.: 318c C 128/00

-       Wegfall des letzten Urlaubstages, so das AG Ludwigsburg, 15.08.08, Az.:10 C 1621/08

 

Da in deinem Fall sowohl die Nachtruhe beeinträchtigt ist als auch der letzte Urlaubstag samt Führung, kann dies meines Erachtens nach durchaus als Reisemangel durchgehen.

 

Da der Veranstalter auch noch keine großartigen Aufwendungen tätigen musste, sollten da hoffentlich keine großen Entschädigungszahlungen auf dich zu kommen. 

Beantwortet 29 Okt von Cockpit1 (13,430 Punkte)
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