1,491 Fragen

7,811 Antworten

798 Kommentare

1,112 Nutzer

EU FLUGGASTRECHTE

Meinungsaustausch von Flugpassagieren, Reisenden, Juristen und Interessierten im Flugrecht.

Unsere NETIQUETTE

Projekt flugrechte.eu

Beliebteste Tags

flugänderung-entschädigung flugänderung-rechte flugänderung-ohne-einwilligung flugzeitenänderung-rechte flugänderung-was-kann-ich-tun flugverlegung-rechte flugänderung-schadensersatz flugverschiebung-rechte flugzeitenverlegung flugänderung-rechtsanwalt reiseveranstalter-flugänderung-rechte entschädigung-flugverlegung-schadensersatz flugänderung-anwalt schadensersatzanspruch-flugänderung fachanwalt-reiserecht reisebüro-flugänderung-rechte flugänderung-fachanwalt flugverlegung-schadensersatz bgh-urteil-x-zr-59-14-flugänderung-tuifly flugänderung-bgh-urteil-x-zr-59-14 fachanwalt-für-reiserecht condor-flugverspätung-gutschein pauschalreise-flugänderung gutschein-condor-flugverspätung flugänderung-urlaub-kürzer flugänderung-fachkanzlei condor-fluggutschein gepäckverspätung-schadensersatz condor-gutschein-probleme condor-gutschein-code flugverlegung-bgh-urteil-x-zr-59-14 flugverschiebung-entschädigung flugverlegung-was-kann-ich-tun flugzeitenänderung-früher flugverlegung-ohne-information condor-reisegutschein flugzeitenänderung fachanwalt-gepäckrecht airberlin-entschädigung fachanwalt-gepäckverspätung condor-flugverspätung-musterschreiben condor-flugverspätung-musterbrief air-berlin-flugänderung-rechte condor-gutschein flugzeitenverlegung-rechte condor-flugverspätung-entschädigung flugumbuchung-schadensersatz fachanwalt-für-flugrecht gepäckverspätung-tagessatz airberlin-flugänderung-rechte flugzeitenänderung-bgh-urteil-x-zr-59-14 gepäckverspätung-pauschale

Flug verschoben

0 Punkte
Hallo zusammen!

wir haben im Jänner eine Pauschalreise (5 Erwachsene, 1 Kind mit 1 Jahr) für September von Wien in die Türkei gebucht.  Abflug 08:00 Uhr.

Einen Tag nach Anzahlung wurden wir informiert, dass unser Flug auf 15:00 Uhr verschoben wurde. Wir haben eigentlich den frühen Flug gebucht damit wir 1 mehr vom Urlaub haben und 2 wegen der Reisezeit unseres Kindes (Mittagsschlaf usw).

Uns wurde sodann eine Möglichkeit eingeräumt den Flug umzubuchen, sprich einen anderen Flug um EUR 30,00 pro Person zu buchen.

Da der andere Flug wie der erste um ca. 08:00 Uhr für uns besser gewesen wäre haben wir uns trotz Mehrkosten für die Umbuchung entschieden.

Tja ... nun rund 4 Monate später wurde dieser Flug nun auch auf 15:00 Uhr verschoben und ich muss nicht sagen, dass mich das wirklich sehr ärgert.

Kann eine Fluggesellschaft dies ohne weiters einfach so machen bzw habe ich als Fluggast die Möglichkeit mich gegen soetwas zu wehren.

Freundliche Grüße

 

Christian
Gefragt 16 Mai in Flugzeitenverschiebung von Anonym
wieder getaggt 16 Mai von admin

2 Antworten

0 Punkte

Hallo Christian,

Sie haben eine Pauschalreise von Wien in die Türkei gebucht. Teil dieser Pauschalreise waren Hin- und Rückflug. Nun wurden Ihr Flug 2 mal von 8 Uhr auf 15 Uhr verlegt.

Durch diese Flugzeitenverlegungen verlieren Sie ziemlich viel Zeit am Urlaubsort. Sie fragen sich nun, ob Sie durch die Verlegung des Hinfluges einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen haben.

Sie haben eine Pauschalreise im Sinne des § 651 a BGB gebucht, sodass sich sämtliche Ansprüche aus dem Reisevertragsrecht des BGB ergeben. Diese sind in den §§ 651 a-m BGB geregelt und werden gegen den Reiseveranstalter geltend gemacht. In Ihrem Fall scheint eine Reisepreisminderung gemäß § 651 d am sinnvollsten. Damit der Reisepreis gemindert werden kann, müssen die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt worden sein. Dies verlangt zunächst, dass die Reise mit einem Reisemangel behaftet ist.

Reisemangel


Die wesentliche Pflicht des Reiseveranstalters besteht darin, die Reise so zu erbringen, dass sie die zugesicherten Eigenschaften besitzt und nicht mit Mängeln behaftet ist (§651c Abs. 1 BGB). Ein Reisemangel im Sinne von § 651 c BGB liegt demnach vor, wenn eine wesentliche Reiseleistung einen Fehler aufweist oder nicht die zugesicherten Eigenschaften enthält. Eine Flugbeförderung stellt eine wesentliche Reiseleistung dar, deren Abweichungen unter Umständen zu einer Reisepreisminderung führen oder andere Ansprüche begründen können. Dies wird darauf zurückgeführt, dass der Transport in der Regel einen der wichtigen Bestandteile eines Pauschalreisevertrages ausmacht. In Ihrem Fall könnte die Flugzeitenänderung des Hinfluges einen Reisemangel darstellen. Umstritten ist in diesem Fall jedoch, ob der erste und der letzte Tag als Urlaubstage gewertet werden können, weil diese der An- bzw. Abreise dienen. Dies wird grundsätzlich bejaht, sodass deine Flugzeitenverlegungen keinen Reisemangel begründen könnten. Anders ist es jedoch, wenn dadurch der zweite und/ oder vorletzte Urlaubstag beeinträchtigt werden. Dies ist insbesondere dann zu bejahen wenn eine Störung der Nachtruge vorliegt. Insgesamt ist die Thematik immer noch relativ umstritten, sodass jeder Fall für sich betrachtet werden muss.

AG Ludwigsburg, Urteil vom 18.08.2008, Az.: 10 C 1621/08 (bei Google einfach zu finden unter “ 10 C 1621/08 "reise-recht-wiki.de“)

Die Vorverlegung des Rückflugs um 11 Stunden bei einer 7-tägigen Flugreise stelle einen Reisemangel dar und berechtige zur Reisepreisminderung für den Tag, der durch die Verlegung verloren ging.

BGH Urteil vom 17. April 2012, Az. X ZR 76/11 (einfach zu finden, wenn Sie bei Google „reise-recht-wiki BGH X ZR 76/11“ eingeben)

Das Entfallen der Nachtruhe durch Vorverlegung des Rückfluges stelle demnach einen Reisemangel gemäß § 651 c dar und berechtige zur Reisepreisminderung.

AG Bonn, Urteil vom 27.06.1996, Az. 18 C 14/96 (ganz einfach zu finden, auch bei Google zu finden unter: " AG Bonn 18 C 14/96 reise-recht-wiki.de“)

In diesem Fall wurde ein Minderungsanspruch verneint. Eine Vorverlegung des Abfluges um 5 Stunden sei nicht als Beförderungsmangel zu qualifizieren und berechtigt daher nicht zur Reisepreisminderung. Bei Charterflügen ist nach Ansicht des Gerichtes eine Flugzeitenverspätung von bis zu 8 Stunden zu tolerieren.

LG Hannover, Urteil vom 13.03.2012, Az. 18 O 79/11  (ganz einfach zu finden, wenn Sie bei Google eingeben: " LG Hannover 18 O 79/11 reise-recht-wiki.de"))

Geringfügige Verschiebungen der Flugzeiten stellen noch keinen Reisemangel dar, sondern nur eine Unannehmlichkeit, sofern sie zumutbar sind. Eine Flugzeitenverschiebeung von 9 Stunden könnte das Maß einer Unannehmlichkeit übersteigen. Dies ist anzunehmen, wenn die Änderung unzumutbar ist. Dies setzt voraus, dass es sich bei der Änderung der Flugzeiten um eine erhebliche Änderung wesentlicher Reiseleistungen handelt, welche als unzumutbar anzusehen sind. Demnach wäre eine Unzumutbarkeit anzunehmen, wenn die Änderungen den Reisenden in erheblicher Art und Weise belasten.

OLG Düsseldorf, Urteil vom 02.05.2013, Az. I-6 U 123/12 (einfach zu finden, wenn Sie bei Google eingeben: „OLG Düsseldorf I-6 U123/12 reise-recht-wiki.de")

Geringere Verschiebungen sind als hinnehmbar anzusehen. So kann eine Verschiebung von 4 bis 8 Stunden noch zulässig sein. Aber wird von der Flugzeitenverschiebung ein Urlaubstag beeinträchtigt, so ist diese unzulässig.

Ihr Flug hat sich um 7 Stunden nach hinten verschoben. Nach dem Urteil des OLG Düsseldorf kann eine Verschiebung jedoch bis zu 8 Stunden hinnehmbar sein. Ob in Ihrem Fall ein Reisemangel vorliegt, lässt sich daher schwer beurteilen. Im Streitfall muss das ein Gericht entscheiden.

Fortsetzung...

 

Beantwortet 17 Mai von Stevie (7,700 Punkte)
0 Punkte

Fortsetzung...

Ist ein Reisemangel in Ihrem Fall zu bejahen, haben Sie einen Anspruch auf Reisepreisminderung aus § 651 d BGB.

Berechnung des Minderungsanspruches

In welcher Höhe der Reisepreis dann zu mindern wäre, hängt vom jeweiligen Reisepreis ab. Generell gibt es jedoch verschiedene Tabellen, die grobe Richtwerte angeben. Hier ist besonders die Frankfurter Tabelle erwähnenswert (ganz einfach zu finden, wenn Sie bei Google "Reise-Recht-Wiki/ Frankfurter Tabelle" eingeben)

Nach der Frankfurter Tabelle stehen einem Reisenden bei einem zeitlich verschobenen Abflug von über 4 Stunden 5 % des durchschnittlichen Tagessatzes zu. Für jede weitere Stunde erhöht sich dieser Wert um 5 %. Bei Ihnen kam es bei Hin- und Rückflug zu einer Verlegung von 7 Stunden, daher würde ich für jeden der beiden Tage einen Minderungsanspruch von 20 % des Tagessatzes veranschlagen.

Mängelanzeige und Abhilfeverlangen

Außerdem ist zu beachten, dass der Mangel gemäß 651 d Abs. 2 BGB alsbald (unverzüglich) dem Reiseveranstalter angezeigt werden muss. Der Mangel kann angezeit werden, indem du den Reiseveranstalter kontaktierst. Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass ein Abhilfeverlangen gemäß § 651c Abs. 2 BGB ausgesprochen werden muss. Das Abhilfeverlangen meint, dass ein Reisemangel zunächst am Urlaubsort der Reiseleitung anzuzeigen und Abhilfe zu verlangen ist. Dies ist im vorliegenden Fall natürlich nicht sehr sinnvoll, da Sie bereits vor der Reise über den Mangel informiert wurden. Sie sollten das Abhilfeverlangen also schon vor der Reise aussprechen. Dabei ist ratsam, dass Sie sämtlichen Austausch mit dem Reiseveranstalter dokumentieren, um zu beweisen, dass Sie unverzüglich um Abhilfe gebeten hast.

Frist

Bitte beachten Sie die Einhaltung der Frist gemäß § 651 g BGB. Demnach muss ein Anspruch auf Reisepreisminderung gemäß § 651 d innerhalb eines Monats nach dem Reiseende gegenüber dem Reiseveranstalter geltend gemacht werden.

Beantwortet 17 Mai von Stevie (7,700 Punkte)
...