1,542 Fragen

7,894 Antworten

813 Kommentare

1,135 Nutzer

EU FLUGGASTRECHTE

Meinungsaustausch von Flugpassagieren, Reisenden, Juristen und Interessierten im Flugrecht.

Unsere NETIQUETTE

Projekt flugrechte.eu

rückflug ort und zeit geändert

0 Punkte
hallo habe von juli bis august einen flug gebucht jetzt ca. 4 wochen vorm anflug wird mir gesagt das der rückflug in ein anderes ca 200 entfernteren Flughafen verlegt worden ist auch die uhrzeit ist deutlich verspätet ca. 13 stunden ich habe früh genug gebucht da wir 2 kinder haben und alles nah dran sein sollte grund sind Bauarbeiten am Flughafen die vorher aber schon bekannt sein müssten meine frage kann ich Schadenersatz oder Umbuchung verlangen
Gefragt 30 Mai in Flugzeitenverschiebung von Anonym
wieder getaggt 30 Mai von admin

2 Antworten

0 Punkte

Du hast einen Flug gebucht, bei dem nun leider sowohl der Zielflughafen deines Rückfluges verändert wurde, als auch die Abflugzeit um knapp 13 Stunden. Grund dafür sind Bauarbeiten am ursprünglichen Flughafen. Du fragst dich, ob du Schadensersatz oder eine Umbuchung verlangen kannst.

Deine Nachricht ist leider recht knapp geschrieben, und auch ohne Details zu den Flugzeiten oder Orten. Aber ich nehme einmal an, dass der Anwendungsbereich der EU-Fluggastrechteverordnung nach Artikel 3 derselben eröffnet ist, und gebe dir meine Meinung dazu, welche Ansprüche dir aus der EU-VO zukommen könnten.

Du wurdest 4 Wochen im Voraus deines Fluges über die Änderungen informiert, deshalb denke ich an Ansprüche aus Artikel 5 EU-VO:

(1) Bei Annullierung eines Fluges werden den betroffenen Fluggästen

a) vom ausführenden Luftfahrtunternehmen Unterstützungsleistungen gemäß Artikel 8 angeboten,

b) vom ausführenden Luftfahrtunternehmen Unterstützungsleistungen gemäß Artikel 9 Absatz 1 Buchstabe a) und Absatz 2 angeboten und im Fall einer anderweitigen Beförderung, wenn die nach vernünftigem Ermessen zu erwartende Abflugzeit des neuen Fluges erst am Tag nach der planmäßigen Abflugzeit des annullierten Fluges liegt, Unterstützungsleistungen gemäß Artikel 9 Absatz 1 Buchstaben b) und c) angeboten und

c) vom ausführenden Luftfahrtunternehmen ein Anspruch auf Ausgleichsleistungen gemäß Artikel 7 eingeräumt, es sei denn,

i) sie werden über die Annullierung mindestens zwei Wochen vor der planmäßigen Abflugzeit unterrichtet, oder

Dazu muss zunächst eine Annulierung deines Fluges vorliegen.

EuGH, Urteil vom 13.10.2011, Az C-83/10 (bei Google einfach zu finden unter: „C-83/10 reise-recht-wiki“)

Eine Annullierung liegt immer dann vor, wenn ein Flug nicht so durchgeführt werden kann wie geplant und der Start daher aufgegeben wird. 

Dein Flug geht nun zu einem anderen Flughafen, und zu einer anderen Zeit. Dein ursprünglicher Flug wird denke ich nicht mehr wie geplant bedient, und ich würde von einer Annulierung ausgehen.

Deiner ursprünglichen Frage am ehesten entsprechen dann denke ich Möglichkeiten nach den Artikel 7 und 8 EU-VO.

Nach Artikel 7 ist es möglich Ausgleichszahlungen von der Airline zu verlangen:

(1) Wird auf diesen Artikel Bezug genommen, so erhalten die Fluggäste Ausgleichszahlungen in folgender Höhe:

a) 250 EUR bei allen Flügen über eine Entfernung von 1500 km oder weniger,

b) 400 EUR bei allen innergemeinschaftlichen Flügen über eine Entfernung von mehr als 1500 km und bei allen anderen Flügen über eine Entfernung zwischen 1500 km und 3500 km,

c) 600 EUR bei allen nicht unter Buchstabe a) oder b) fallenden Flügen.

Du schreibst leider nicht um welche Entfernungen es sich bei deinem Abflug- und Ankunftsort handelt, aber das kannst du ja selber noch einmal abgleichen. Du wurdest allerdings vier Wochen im Voraus des Fluges informiert, nach Artikel 5, siehe oben, ist aber zumindest eine Grenze von 2 Wochen zu unterschreiten, um Ansprüche aus Artikel 7 auszulösen. Wichtig im Zusammenhang mit Artikel 7 können darüber hinaus auch sogenannte außergewöhnliche Umstände sein, die zu solchen Annulierungen führen können - wie beispielsweise vielleicht Bauarbeiten an einem Flughafen.

EuGH, Urteil vom 22.12.2008, Az.: 549/70 (ganz einfach für dich zu finden, wenn du bei Google EuGH 549/70 reise-recht-wiki.de eingibst)
Ein bei einem Flugzeug aufgetretenes technisches Problem, das zur Annullierung eines Fluges führt, fällt nicht unter den Begriff „außergewöhnliche Umstände“ im Sinne der VO 261/2004, es sei denn, das Problem geht auf Vorkommnisse zurück, die aufgrund ihrer Natur oder Ursache nicht Teil der normalen Ausübung der Tätigkeit des betroffenen Luftfahrtunternehmens sind und von ihm tatsächlich nicht zu beherrschen sind.

Dann müssen Airlines nämlich, bei Vorliegen solcher außergewöhnlichen Umstände, auch keine Ausgleichszahlungen zahlen. Das kann denke ich aber in deinem Fall dahinstehen, denn du wurdest, so wie du schreibst, nach der EU-VO früh genug benachrichtigt.

Es bleibt Artikel 8 EU-VO, dies betrifft die von dir angesprochene Umbuchung:

(1) Wird auf diesen Artikel Bezug genommen, so können Fluggäste wählen zwischen

a) – der binnen sieben Tagen zu leistenden vollständigen Erstattung der Flugscheinkosten nach den in Artikel 7 Absatz 3 genannten Modalitäten zu dem Preis, zu dem der Flugschein erworben wurde, (...)

b) anderweitiger Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Reisebedingungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt oder

c) anderweitiger Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Reisebedingungen zu einem späteren Zeitpunkt nach Wunsch des Fluggastes, vorbehaltlich verfügbarer Plätze.

BGH, Urteil vom 25. März 2010 - Xa ZR 96/09 (ganz einfach zu finden, wenn du bei Google eingibst: BGH Xa ZR 96/09 reise-recht-wiki.de)

Nach Art. 8 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung haben Fluggäste unter anderem Anspruch auf eine anderweitige Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Reisebedingungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt; damit einher geht die Pflicht des Luftfahrtunternehmens, eine solche anderweitige Beförderung anzubieten und durchzuführen. Nach dem deutschen Sachrecht steht dem Kläger gemäß § 280 Abs. 1, § 249 Abs. 1 BGB ein Anspruch auf Ersatz von Mehrkosten zu, wenn diese auf einer schuldhaften Verletzung dieser Pflichten der Beklagten beruhen.

Danach kannst du dich dann entscheiden, ob du die Flugtickets erstattet haben magst, oder aber innerhalb der Möglichkeiten der Airline eine Umbuchung verlangen und dir einen alternativen Flug aussuchen möchtest. Melde dich dazu bei deiner Airline.

Beantwortet 30 Mai von Expo (6,500 Punkte)
0 Punkte

Sie haben einen Flug für Juli und August 2017 gebucht. Nun wurden Sie darüber informiert, dass sowohl der Abflughafen, als auch die Flugzeiten geändert wurden.

Sie fragen sich nun, wie Sie am besten gegen die Fluggeselschaft vorgehen können.

Im Falle einer Verschiebung des ursprünglich gebuchten Fluges ergeben sich Ansprüche aus der europäischen Fluggastrechte Verordnung haben. In Ihrem Fall wurden sowohl die Flugzeiten, als auch der Abflugort geändert. Darin ist eine Annullierung des ursprünglich gebuchten Fluges zu sehen. Sehen Sie dafür auch folgendes Urteil:

EuGH, Urteil vom 13.10.2011, Az.: C-83/10 (das Urteil kann man im Volltext im Internet finden. Einfach googlen:  "EuGH C-83/10 reise-recht-wiki“)

Eine Annullierung liegt immer dann vor, wenn ein Flug nicht so durchgeführt werden kann wie geplant und der Start daher aufgegeben wird. Wird ein Flug auf einen anderen Tag verlegt, ist darin ebenfalls eine Annullierung zu sehen. Es ergeben sich somit auch Ansprüche aus der EU-Fluggastrechteverordnung.

Sie könnten also einen Anspruch auf Ausgleichszahlung aus der Europäischen Fluggastrechte Verordnung haben.

Zunächst könnten Sie einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen aus Artikel 7 der Verordnung haben.

Die Höhe der Ausgleichszahlungen bemisst sich nach der Entfernung:

  • Bei einer Verspätung von 2 Stunden auf einer Strecke von 1500km oder weniger: 250 EUR
  • Bei einer Verspätung von 3 Stunden auf einer Strecke innerhalb der EU oder bis 3500km: 400 EUR
  • Bei einer Verspätung von 4 oder mehr Stunden auf einer Strecke außerhalb der EU von 3500km oder mehr: 600 EUR

Je nachdem von wo nach wo Sie fliegen, können Sie also einen Anspruch auf Ausgleichszahlungen i.H.v. 250, 400 oder 600 EUR haben.

Zu beachten ist jedoch, dass ein möglicher Anspruch gemäß Artikel 5 (1) c) i) aber entfallen würde, wenn ein Fluggast über eine Annulierung mindestens zwei Wochen vor dem planmäßigen Abflug unterrichtet wird. Sie geben an, dass Sie ca 4 Wochen vor Abflug über die Annullierung informiert wurden. Die Frist wurde deshalb eingehalten und ein Anspruch auf Ausgleichszahlung steht Ihnen wahrscheinlich nicht zu.

Anspruch auf Erstattung oder anderweitige Beförderung

Aber Sie haben gemäß Artikel 8 Anspruch auf Erstattung oder anderweitige Beförderung. Sie haben dann die Wahl zwischen:

a) – der binnen sieben Tagen zu leistenden vollständigen Erstattung der Flugscheinkosten nach den in Artikel 7 Absatz 3 genannten Modalitäten zu dem Preis, zu dem der Flugschein erworben wurde,

b) anderweitiger Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Reisebedingungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt oder

c) anderweitiger Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Reisebedingungen zu einem späteren Zeitpunkt nach Wunsch des Fluggastes, vorbehaltlich verfügbarer Plätze.

Sie haben also zunächst die Möglichkeit sich die Flugkosten zurückerstatten zu lassen und selbstständig neu zu buchen. Sie haben aber auch einen Anspruch auf anderweitige Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Reisebedingungen. Sie könnten Sie aber versuchen, die Airline zu kontaktieren um vielleicht auf einen anderen Flug umgebucht zu werden.

Beantwortet 30 Mai von UeberdenWolken (5,300 Punkte)
...