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Hallo liebes Flugrechte-Forum,

Ich wollte mit meiner Familie, also meinem Mann und unseren zwei Kindern, in den Urlaub nach Tenneriffa fliegen. Wir hatten auch sämtliche Buchungsunterlagen, unsere Koffer gepackt, und standen schon am Flughafen, als etwas passierte, was man keinem wünscht, unser Flug wurde überraschend und kurzfristig gecancelt.

Ursprünglich wollten wir in Frankfurt am 9 Juli um 16:20 starten. Aber auf der großen Anzeigetafel am Flughafen stand, erst dass der Flug verlegt wird, und um 23:30 stand dort eindeutig, dass der Flug gecancelled, also annulliert ist.

Wir erhielten daraufhin unser Gepäck zurück, wurden mit einem Bus in ein Hotel gefahren, wo wir 2:30 erst ankamen, und mussten am nächsten Morgen komplett neu, bei einer anderen Fluggesellschaft einchecken. Das wäre ja an sich schon stressig genug gewesen, dieses ganze Procedere mitten in der Nacht durchzuführen. Aber aufgrund der Tatsache, dass wir zwei kleine Kinder mit hatten, war das alles nochmal ein wenig schwieriger. Auch das gedränge am Schalter, um herauszufinden, was als nächstes passiert, war einfach nur nervenaufreibend. Wir mussten uns immer wieder sagen, dass alles besser wird, und wir bald in den Urlaub fliegen würden, dann hat das geklappt.

Jedenfalls mussten wir am nächsten Tag uns neu einchecken, aber bei einer anderen Fluggesellschaft. Und wir mussten auch das komplette Sicherheitspaket neu durchlaufen. Auch erhielten wir komplett neue Sitzplätze zugeteilt. Lediglich die Flugnummer war die gleiche wie geplant. Das FLugunternehmen hatte an diesem Tag aber auch keinen neuen Flug mehr geplant. Jedenfalls kamen wir am Nächsten tag auch am Zielort an, allerdings mit 25 Stunden Verspätung!

Jetzt wollten wir von der Fluglinie eine Entschädigung wegen der Flugannullierung haben, und die meinen doch wirklich, es liegt nur eine Flugverspätung vor! Aber bei einer 25 stündigen verspäteten Ankunft, und dem Procedere, wie das alles abgelaufen ist, kann man doch nun wirklich nicht von einer Flugverspätung reden. Kann ich übrigens neben dem Anspruch wegen Annullierung, auch noch Ersatz wegen Dienstausfall, nutzloser Sitzplatzreservierung und verfallenen Bahnfahrscheinen geltend machen?

Gefragt in Flugannullierung von

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Hallo,

Euer Flug nach teneriffa wurde noch am Flughafen annulliert, und ihr musstet eine Nacht im Hotel verbringen. Das alles ist ziemlich aufwendig, vor allem mit zwei Kinden. Am nächsten Tag musstet ihr komplett neu bei einer anderen Fluggesellschaft einchecken, und fragt euch jetzt, ob eine Annullierung, oder wie das Flugunternehmen behauptet, nur eine Verspätung vorliegt.

Ich habe in diesem Forum ein paar andere Beiträge gefunden, die sich lohnen anzuschauen:

http://flugrechte.eu/13062/abflug-stunden-sp%C3%A4ter-geplant-flugannullierung-versp%C3%A4tung?show=13062#q13062 

http://flugrechte.eu/2/haben-einem-flug-condor-stunden-versp%C3%A4tung-gehabt-k%C3%B6nnen-tun?show=2#q2

http://flugrechte.eu/11239/flug%C3%A4nderung-flugannulierung-ohnehin-versp%C3%A4tete-flugroute?show=11239#q11239

Von einer FLugannullierung spricht man, wenn die eines geplanten Fluges, für den zumindest ein Platz reserviert war, vorliegt. Ein geplanter Flug liegt vor, wenn die Fluggesellschaft diesen in ihren Flugplan aufgenommen hat, diesen nach Abflug- und Zielort, Abflugs- und Ankunftszeit festgelegt, mit einer Flugnummer versehen und zur Buchung freigegeben hat, vgl. BGH, Urt. v. 17.07.07, Az.: X ZR 95/06.

EuGH, Urteil vom 13.10.2011, Az.: C-83/10 (nachzulesen über die Google-Suche „C-83/10 reise-recht-wiki“)

Eine Annullierung liegt immer dann vor, wenn ein Flug nicht so durchgeführt werden kann wie geplant und der Start daher aufgegeben wird. Wird ein Flug auf einen anderen Tag verlegt, ist darin ebenfalls eine Annullierung zu sehen. Es ergeben sich somit auch Ansprüche aus der EU-Fluggastrechteverordnung.

BGH, Urteil v. 18.02.2010, Xa ZR 166/07(Google-Suche: „BGH XA ZR 166/07 reise-recht-wiki.de“)

Beträgt die Verspätung auf einem Flug von einer Fluglänge von mindestens 1500 km mehr als drei Stunden, steht dem Fluggast ein Anspruch aus Art. 7 der Verordnung (EG) Nr. 261/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Februar 2004 über eine gemeinsame Regelung für Ausgleichs- und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung von Flügen zu.

Daher ist es irrelevant, welchen Terminus man nun verwendet, obwohl ich auch eher von einer kompletten Annullierung ausgehe. Ansprüche dürften allerdings in beiden Fallvarianten in Frage kommen. Jedenfalls regelt Art. 5 I VO die verschiedenen Rechte, die bei einer Annullierung bestehen könnten. Denn bei einer Annullierung eines Fluges werden den betroffenen Fluggästen vom ausführenden Luftfahrtunternehmen Unterstützungsleistungen gemäß Artikel 8 angeboten, sowie Unterstützungsleistungen gemäß Artikel 9 Absatz 1 Buchstabe a) und Absatz 2 angeboten und im Fall einer anderweitigen Beförderung, wenn die nach vernünftigem Ermessen zu erwartende Abflugzeit des neuen Fluges erst am Tag nach der planmäßigen Abflugzeit des annullierten Fluges liegt, Unterstützungsleistungen gemäß Artikel 9 Absatz 1 Buchstaben b) und c) angeboten. Zudem bestehe ein Anspruch auf Ausgleichsleistungen gemäß Artikel 7 eingeräumt. 

Den meisten Reisenden ist der Anspruch auf Entschädigungszahlungen gem. Art. 7 der VO der wichtigste. Denn  je nach Strecke wird eine pauschale Ausgleichsleistung angeordnet, die zwischen 250 und 600 Euro variieren kann. Hier die genaue Staffelung:  

a)  250 EUR bei allen Flügen über eine Entfernung von 1 500 km oder weniger, 

b)  400 EUR bei allen innergemeinschaftlichen Flügen über eine Entfernung von mehr als 1 500 km und bei allen anderen Flügen über eine Entfernung zwischen 1 500 km und 3 500 km, 

c)  600 EUR bei allen nicht unter Buchstabe a) oder b) fallenden Flügen. 

Bei einer Entfernung FRA-TSF wären dies laut Rechner 2013 Kilonmeter, so dass 400 Euro pro Person angeboten werden müssten. 

Allerdings bestehen für die Fluggesellschaft Ausnahmen. Denn gem. Art. 5 III der Verordnung muss eine Airline keine Ausgleichszahlungen vornehmen, wenn es nachweisen kann, dass die Annullierung auf außer- gewöhnliche Umstände zurückgeht, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären. 

Es kommt nun also auf den Grund für die massive Verspätung an. Erwägungsgrund 14 der VO nennt hier vor allem Wetterbedingungen, Streiks oder Flugsicherheitsmängel. Hier möchte ich gleich noch erwähnen, dass technische Defekte oftmals keinen außergewöhnlichen Umstand darstellen. Da ich allerdings nicht weiß, was genau vorgefallen ist, kann ich hierzu nichts näheres sagen. 

Jedenfalls ist noch Art. 9 von Bedeutung. Denn laut dessen Inhalt hat die Airline auch dafür Sorge zu tragen, dass Sie Mahlzeiten und Erfrischungen in einem angemessenem Verhältnis zur Wartezeit erhalten, sowie eine Hotelunterbringung, falls ein Aufenthalt von einer Nacht oder mehreren Nächten notwendig ist und zudem die Beförderung zwischen dem Flughafen und dem Ort der Unterbringung (Hotel oder Sonstiges). 

AG Dortmund, Urteil vom 04.03.2008, Az.: 431 C 11621/07 (nachzulesen über die Google-Suche „431 C 11621/07 reise-recht-wiki“)

Nach der EU-Fluggastrechteverordnung muss ein Luftfahrtunternehmen einem Passagier eine Hotelübernachtung finanzieren, wenn eine Übernachtung wegen eines Flugausfalles notwendig wurde. Tut ein Unternehmen dies nicht und mietet der Passagier deswegen auf eigene Faust ein Hotelzimmer, so kann er die Kosten dafür ersetzt verlangen.

Hinsichtlich der Frage nach einem Aufwendungsersatz ist noch dieses Urteil interessant.  

LG Frankfurt a.M., Urteil vom 15.03.2011, Az 2-24 S 1/11 (zu finden über die Google-Suche „2-24 S 1/11 reise-recht-wiki“)

Neben den Ansprüchen auf eine Ausgleichszahlung kann auch ein Anspruch auf weitergehender Schadensersatz bestehen. Dies betrifft jeden Schaden, der direkt durch die Annullierung hervorgerufen wird, beispielsweise zusätzliche Flugkosten für einen Alternativflug.

Daher könnte ich mir durchaus vorstellen, dass Sie auch die Bahnfahrscheine und die Sitzplatzreservierungskosten zurück verlangen können. 

Allerdings kann ich hier immer nur Vermutungen aufstellen. Letztendlich kann Ihnen nur ein Fachanwalt eine sichere Auskunft erteilen. Trotzdem hoffe ich, dass dieser Beitrag Ihnen etwas weiter geholfen haben. Hier findest du ehr gute Anwälte:

https://www.flugrechte.eu/index.php?qa=574&qa_1=fachanwalt-reiserecht&show=574#q574

https://www.flugrechte.eu/index.php?qa=13&qa_1=wo-finde-ich-einen-fachanwalt-f%C3%BCr-reiserecht&show=13#q13

https://www.flugrechte.eu/index.php?qa=615&qa_1=guter-fachanwalt-reiserecht&show=615#q615

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