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   Hallo liebes Forum.

 

Mir ist auf unserem Rückweg aus der Dominikanischen Republik etwas passiert, was vllt schon einigen passiert ist, aber dennoch immer wieder nicht schön ist.

Unser Rückflug nach Frankfurt aM hatte eine sehr hohe Verspätung.

 

Als wir am Flughafen in Punta Carna ankamen, stellten wir schon fest, dass der Flug sich verspäten wird, weil dies auf der Anzeigetafel zu sehen war. Wie sehr er sich verspäten wird, wussten wir allerdings erst, als wir am Schalter der Fluggesellschaft nachfragten.

 

Dort hieß es, dass das Flugzeug, welches für die Strecke Frankfurt punta Carna und Punta Carna Frankfurt eingesetzt wird, auf dem Weg in die Dominikanische Republik wegen eines randalierendes PAssagieres notlanden musste. Das muss man sich mal vorstellen, da will man in den Urlaub fliegen, und dann wird der erste Tag schon wegen so eines Trottels gestört.

 

Jedenfalls musste das Flugzeug auf den Azoren notlanden. Laut der Dame an der Info stand der Mann stark unter Alkohol, und stellte somit ein Sicherheitsrisiko für den Flug dar.

Weil nun aber zwischengelandet werden musste, damit der Mann von der Polizei abgeholt werden konnte, hat das alles sehr lange gedauert, also die ganzen Formalitäten und die Suche nach dem Gepäck des Passageres. Dadurch wurde die zulässige Flugdienstzeit der Crew überschritten, und eine Pause musste eingehalten werden. Erst nach dieser Mindestruhezeit konnte der Flug fortgesetzt werden.

 

Dann dauerte es natürlich, ehe das Flugzeug bei uns war, und ehe wir Frankfurt erreichten. Wir hatten insgesamt eine Verspätung von 17 Stunden gegenüber dem Flugplan.

 

Besteht die Chance, dass ich eine Entschädigung von der Fluggesellschaft erhalte, weil wir so lange warten mussten?

   

Gefragt in Flugverspätung von
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Hallo Dennis,

eine so hohe Verspätung ist selbstverständlich sehr ärgerlich. Allerdings kann die Europäische Fluggastrechteverordnung in so einem Fall oft zur Hilfe kommen.

Diese Verordnung kann in deinem Fall meiner Meinung nach auch angewandt werden, obwohl dein Flug nicht in einem Mitgliedsstaat startet. In Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe b) wird nämlich festgelegt, dass die Verordnung auch für solche Flüge gilt, bei denen die ausführende Fluggesellschaft ihren Sitz innerhalb der EU hat, sogenannte Luftfahrtunternehmen der Gemeinschaft. Ein solches ist Condor.

Nun stellt sich dir die Frage ob du für die enorme Verspätung eine Entschädigung von Condor verlangen kannst. Damit ein solcher Anspruch grundsätzlich erst einmal entstehen kann, muss die Verspätung am Endziel mindestens 3 Stunden betragen. Da du eine Verspätung von 17 Stunden hattest, denke ich dass ein Anspruch auf Ausgleichszahlung grundsätzlich entstehen könnte. 

Allerdings wird in Artikel 5 Absatz 3 festgelegt, dass ein ausführendes Luftfahrtunternehmen nicht dazu verpflichtet ist, Ausgleichszahlungen gemäß Artikel 7 zu leisten, wenn es nachweisen kann, dass die Annullierung auf außergewöhnliche Umstände zurückgeht, die sich auch dann nicht vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären.

Sie sagen, das der Grund für die enorme Verspätung in Ihrem Fall ein randalierender Passagier auf dem Vorflug, durch welchen das Flugzeug zwischenlanden musste, damit der Passagier von der Polizei abgeholt werden musste. Dadurch wurde auch die zulässige Flugdienstzeit der Crew überschritten, weswegen man erst die Mindestruhezeit einhalten musste, bevor der Flug fortgesetzt werden konnte. 

Es muss also geklärt werden, ob diese Gründe einen außergewöhnlichen Umstand darstellen, für den die Airline nicht haftet. Dazu konnte ich folgende Urteile ausfindig machen:

AG Frankfurt, Urteil vom 19.6.2015, Az. 32 C 4265/14 (den Volltext können Sie gerne nachlesen, wenn Sie auf "reise-recht-wiki.de" eingeben: "32 C 4265/14")

Zwei Fluggäste forderten von einem Luftfahrtunternehmen eine Ausgleichszahlung wegen Flugverspätung. Die Kläger buchten bei der betroffenen Fluggesellschaft einen Flug von Punta Cana nach Frankfurt am Main. Aufgrund einer Zwischenlandung durch einen randalierenden Passagier erreichte das Flugzeug Frankfurt am Main mit einer Verspätung von 17 Stunden. Das Amtsgericht Frankfurt hat die Klage abgewiesen. 

Ein randalierender Passagier in einem Flugzeug stellt laut Gericht einen außergewöhnlichen Umstand gemäß Artikel 5 der Fluggastrechteverordnung dar, welcher für ein Luftfahrtunternehmen nicht kontrollierbar ist und somit zu keiner Ausgleichszahlung wegen Verspätung führt.

AG Frankfurt, Urteil vom 8.6.2016, Az. 31 C 397/16 (17) (bei Google einfach eingeben: "31 C 397/16 (17) reise-recht-wiki.de")

Eine Zwischenlandung aufgrund eines randalierenden Passagiers stellt einen außergewöhnlichen Umstand dar, weswegen das Luftfahrtunternehmen keine Ausgleichszahlungen für daraus resultierende Verspätungen leisten muss.

AG Rüsselsheim, Urteil vom 8.2.2017, Az. 3 C 742/16 (36) (bei Google zu finden unter: " 3 C 742/16 (36) reise-recht-wiki.de")

Kommt es zu einer großen Flugverspätung weil der Flugkapitän des Fluges zu einer außerplanmäßigen Zwischenlandung wegen eines randalierenden Passagiers gezwungen ist, so geht die große Verspätung auf außergewöhnliche Umstände zurück, so dass anderen betroffenen Passagieren keine Ausgleichszahlungsansprüche zustehen.

Wie Sie sehen, stellt ein randalierender Passagier im eigenen Flugzeug oder auf dem Vorflug tatsächlich einen außergewöhnlichen Umstand dar, weswegen ich der Meinung bin, dass Sie leider keine Ausgleichszahlung von Condor verlangen können. 

Allerdings können Sie aufgrund von Artikel 9 Absatz 1 Buchstabe a) meiner Meinung nach die Erstattung von möglichen Kosten für Verpflegung am Flughafen von Condor einfordern.

Ich kann in diesem Beitrag jedoch nur meine persönliche Rechtseinschätzung darlegen. Eine professionelle Rechtsberatung kann Ihnen wohl nur ein Anwalt geben.

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